Welche IT-Entscheidung zuerst?
Entscheidungen zur IT erreichen eine Geschäftsführung als Einzelfragen. Eine Ausschreibung, eine Stelle, ein Budget, eine Störung, ein Dienstleister, der nicht liefert. Jede Frage hat einen Absender und einen Termin. Keine hat eine Reihenfolge. Also entscheidet in der Praxis oft die Lautstärke oder der Kalender.
Das ist kein Vorwurf an die Absender. Jeder von ihnen sieht seine Frage, und seine Frage ist berechtigt. Was fehlt, ist die Übersicht, in der die Fragen zueinander stehen. Ohne sie wird gelegentlich die drittwichtigste Entscheidung zuerst getroffen, weil sie als erste fällig war.
In dieser Übersicht gibt es drei Sorten von Entscheidungen. Solche, die zuerst anstehen, weil andere von ihnen abhängen oder ein Termin sie erzwingt. Solche, die warten können, weil die betroffene Domäne stabil läuft und wenig Veränderung trägt. Und solche, die heute noch nicht getroffen werden können, weil etwas fehlt: eine Zahl, ein Vertragsende, eine Rolle, die es noch nicht gibt.
Eine Entscheidung, die heute noch nicht getroffen werden kann, ist eine Information, mit der sich arbeiten lässt.
Ein Verlauf, der teuer werden kann
Ein typischer Verlauf, vereinfacht: Eine Ausschreibung wird vorbereitet, mit Anforderungen, Bewertungslogik und Zeitplan, bevor entschieden ist, wer den neuen Dienstleister danach steuert. Der Zuschlag erfolgt. Die Steuerung landet bei einer Rolle, die weder Vertrag noch Budget verantwortet. Anderthalb Jahre später ist die Reibung mit dem Dienstleister ein Thema für die Geschäftsführung, und sie sieht aus wie ein Problem mit dem Dienstleister. Ein Teil davon war eine Reihenfolgefrage.
Die Entscheidung über die Steuerung gehörte vor die Ausschreibung. Sie hätte sich auch treffen lassen. Sie stand nur nirgends als die erste.
Was die Reihenfolge herstellt
Drei Angaben je Entscheidung reichen in der Regel, um sie einzuordnen: wer sie trifft, was passiert, wenn bis zu einem Datum nichts passiert, und was fehlt, falls sie heute nicht getroffen werden kann. Entscheidungen mit einer Abhängigkeit oder einem harten Termin rücken nach vorn. Entscheidungen mit einer stabilen Domäne dahinter rücken nach hinten. Entscheidungen ohne Owner werden als das sichtbar, was sie sind: offene Zuständigkeiten.
Für die, die heute noch nicht getroffen werden können, lohnt eine eigene Seite: je Punkt, was fehlt, wer es hat, und wie es zu beschaffen ist. Diese Seite ist ein Arbeitsauftrag, und sie fehlt am häufigsten, weil niemand gern aufschreibt, was er noch nicht weiß.
Eine Übung für den Schreibtisch
Nehmen Sie die drei IT-Entscheidungen, die gerade bei Ihnen liegen. Schreiben Sie zu jeder in einer Zeile, wer entscheidet, was fehlt, und was ohne Entscheidung bis zum Quartalsende passiert. Die Zeile, die Sie nicht füllen können, zeigt, wo zuerst Klärung nötig ist. Wie dringend diese Klärung ist, hängt wie bei jeder anderen Entscheidung an Auswirkung, Termin und Abhängigkeiten.
Welche Ihrer offenen IT-Entscheidungen ist in Wahrheit eine, die heute noch nicht getroffen werden kann?
Mathies Wähner · Interim Lead · IT-Governance & Programmstabilisierung. Neue Notizen erscheinen zuerst auf LinkedIn. Dort folgen →